Mit einem Scrimmage der Herne Black Barons gegen die Elsen Knight ging es für uns zum ersten Mal in 2020 wieder auf den Rasen. In zwei Stunden testeten beide Teams ausgiebig Personal und Spielzüge. Begleitet wurde die Einheit von zahlreichen Schiedsrichtern, die von „alten Hasen“ wie Michael Hübener beobachtet und gecoacht wurden.

Scrimmage: Herne Black Barons empfingen die Elsen Knights zum Testspiel (Foto: Oliver Jungnitsch)Scrimmage: Herne Black Barons empfingen die Elsen Knights zum Testspiel (Foto: Oliver Jungnitsch)

Um 14:00 Uhr begann das Scrimmage in Herne mit einem nochmaligen kurzen Warm-up und Unit-Training.  Zur Freude aller Beteiligten blieb es entgegen der ursprünglichen Wettervorhersage trocken. Die Barons können auf einen Kader von über 50 Spielern zurückgreifen, so waren folglich die vorherrschenden Farben Grün und Schwarz. Die Knights reisten mit einem Kader von 23 Spielern an, da viele Stammspieler verhindert waren. So durften einige der Elsen Knights doppelt spielen, also in der Defense und Offense. 

Das Scrimmage selber ging sehr fair vonstatten, es flogen folglich kaum gelbe Flaggen. Die Schiedsrichter waren dennoch gefragt, denn man spielte mit mehr als den üblichen vier Versuchen. Folglich wurde gerne diskutiert, der wievielte Versuch es denn aktuell sei. 

Circa zwei Monate vor dem Saisonstart ging nicht alles glatt, aber es gab gute Aktionen von beiden Teams zu sehen: lange Läufe, Interceptions, Defense Touchdowns und gute Tackles. Beide Teams waren nach den zwei Stunden sichtlich zufrieden mit dem Scrimmage und das waren wir auch, denn es geht endlich wieder los! 

Bildergalerie zum Scrimmage:

 

Oliver Jungnitsch für Fands

Auch im letzten Jahr stellte sich ein Verantwortlicher von den Iserlohn Titans unseren Fragen. In 2019 lief es nicht so gut bei den Titans: Innerhalb des Ligabetriebs mussten sie das Team aus dem Wettbewerb verletzungsbedingt abmelden und stiegen aus der Landesliga ab. Seit Ende 2019 geht es für die Iserlohn Titans wieder aufwärts, denn mit Mike Brown können sie auf einen Head Coach mit fast 30 Jahren Erfahrung im American Football zurückgreifen. Mike war zuletzt über fünf Jahre bei den Gießen Golden Dragons in der GFL2 Süd tätig. Los ging es für Mike Brown in 2015 als WR Coach und in 2016 war er der Passing Game Coordinator. Von 2017 bis 2019 hatte er bei den Dragons den Posten des Defense Coordinators inne. Er spielte auch selber, unter anderem für die Marburg Mercenaries, Wetzlar Wölfe und Gießen Golden Dragons.

Mike Brown (weißes Shirt) beim gemeinsamen Camp mit den Titans im letzten Jahr (Foto: Christian Maxelon)Mike Brown (weißes Shirt) beim gemeinsamen Camp mit den Titans im letzten Jahr (Foto: Christian Maxelon)

Nick von fands.pics: Mike, du bist mit den Iserlohn Titans durch ein gemeinsames Camp in Kontakt gekommen. Auch bist du kein Unbekannter im American Football, warum wagst du den Ausflug in die 7. Liga?
Mike Brown: Ich sehe eine Menge Potenzial. Felix (Tristan Leo – Mitgründer der Titans) hatte mich gebeten, das Team mal zu begutachten und wir haben uns darauf geeinigt, ein eintägiges Camp nach dem Ende der Season durchzuführen. Ich habe einige Coaches mitgebracht, damit wir uns ein genaues Bild davon machen konnten, womit wir es bei den Titans zu tun haben. Es hat uns eine Menge Spaß gemacht und man konnte wirklich sehen, wie motiviert die Spieler waren. Felix, Tanja und ich haben uns in den darauffolgenden Wochen mehrfach zusammengesetzt.  Ebenso habe ich beim German Bowl noch mit einigen der Spieler sprechen können. Da die Titans erst seit Kurzem existieren, gilt es erstmal, eine Identität zu schaffen. Ich habe eine genaue Vorstellung und der Verein steht hinter dem, was ich erreichen möchte. Der Football lockt eine breite Masse von unterschiedlichen Mentalitäten an. Man lernt schnell, dass man sich hier auf den Anderen verlassen muss. Jeder ist willkommen und kann seinen Teil beitragen. Hier entstehen Freund- und Bekanntschaften, die ein Leben lang halten. Zum Glück ist Iserlohn eine Stadt, die jeder Sportart offensteht: Eishockey, Basketball u.s.w.. Es bedarf einer Menge Rückhalt, um ein Team aufzubauen, dass sich behaupten kann, also ist es ein Muss, eine Stadt hinter sich zu haben, die einem den Rücken stärkt. Unser Management arbeitet seit Monaten hart daran, eine solide Basis für die Zukunft zu schaffen. Ich bin sehr gespannt darauf.
 
Nick: Wer unterstützt dich in der Aufgabe bei den Titans? Was hast du dort vorgefunden und woran arbeitet ihr seitdem?
Mike: Tatsächlich eine sehr schwere Frage, da sich noch alles im Umbruch befindet. Mir sind momentan 12 Leute bekannt, die sich um den Football Aspekt des Teams kümmern, und 8 weitere, die für die Organisation zuständig sind. Viele davon übernehmen mehrere Aufgaben, aber das ist ja im Vereinssport nicht neues. Herrenspieler sind z.B. Jugendtrainer und Sabrina Paul macht das Konditionstraining. Sie ist wirklich eine tolle Ergänzung fürs Team. Frank Weber übernimmt die Position des WR und die des Special Teams Coaches. Es ist immer gut jemanden an Bord zu haben, der von Tag eins dabei ist. Mit David Colvin haben wir jemanden, der genauso passioniert zum Football steht wie ich. Er wird als der OC fungieren. Günther Lange wird mich als Assistent in meiner Rolle als DC unterstützen. Unsere U19 wird von unserem Herrenspieler Kevin Weber gecoached. Die U13 wird von Christian Martello geleitet. Das Frauenteam übernimmt Tyark Lehmüller- ein weiterer Spieler. Das ist ja in Europa auch durchaus üblich, wir müssen versuchen, die bestmöglichen Trainer und Einheiten zur Verfügung zu stellen. Wir versuchen als Team attraktiver zu werden und uns von anderen Vereinen in der Umgebung abzugrenzen, um mehr erfahrene Spieler anzulocken.
 
Nick: Die NRW-Liga (Gruppe Ost) besteht zur Hälfte aus unbekannten Vereinen. Wie beurteilst du insgesamt eure Liga?
Mike: Genau das: Unbekannt! Ich habe bis dato nur in Hessen gecoached, die letzten 3 Jahre in der GFL2. Also gehen meine Gedanken weit auseinander. Wir werden gegen sehr gut vorbereitete Teams antreten, genauso werden wir gegen Teams spielen, die einfach nur auf dem Platz stehen. Es ist meine Aufgabe, meinem Team die Grundlagen des Footballs nahe zu bringen. Sollten wir das schaffen werden unsere Jungs dieses Jahr eine Menge Spaß haben.
 

Nick (mit Ball) beim The Growth of a Game in 2018 mit Mike Bown. An diesem Camp nahmen auch die Iserlohn Titans teil (Foto: Oliver Jungnitsch)Gemeinsames Training von Nick Jungnitsch (mit Ball) beim "The Growth of a Game" in 2018 mit Mike Bown (blaues Oberteil). An diesem Camp nahmen auch die Iserlohn Titans teil (Foto: Oliver Jungnitsch)

Nick: Was sind deine Ziele mit den Iserlohn Titans für 2020? 
Mike: Wir wollen schnellstmöglich nach oben. Dieses Team basiert auf Wettkampf. Unser größtes Ziel ist jetzt erstmals alle unsere Teams auszubauen.
 
Nick: Mike, du selber hast am College der Eastern New Mexico University Erfahrungen im American Football gesammelt. Was ist der größte Unterschied zwischen dem Football in USA und hierzulande? Zusatzfrage: Was muss deiner Meinung noch in Deutschland passieren, damit der American Football auf ein höheres Niveau kommt?
Mike: Das Vereinssystem ist in Europa vorherrschend, anders als in den USA, wo die meisten Sportarten an den Schulen ausgetragen werden.  Als Team müssen wir auf uns aufmerksam machen und mit Footballangeboten direkt an die Schulen herantreten. Die meisten Kinder wissen nämlich gar nichts über Randsportarten wie Football, bei den Eltern ist es oft genauso. Wir müssen das erkennen und dafür sorgen, dass man uns kennt. 
 
Nick: Im letzten Jahr hatten die Titans Verletzungspech und mussten die Saison vorzeitig beenden. Wie zufrieden bist du bisher mit dem aktuellen Kader und dem Leistungsstand der Mannschaft?
Mike: Wir sind auf mehreren Positionen eher dünn besetzt. Dafür haben wir jedoch eine gute Mischung aus denen, die einfach Football spielen, und wahren „Footballspielern“, was an diesem Punkt der Season jedoch normal ist. Im März geht’s mit Pads wieder ins Freie und wir können endlich in Vollkontakt gehen! Ich erwarte zur Season knapp 50 Mann auf dem Roster.

Das Interview führte Nick Jungnitsch für NRW Football mit Mike Brown, dem Head Coach der Iserlohn Titans. Die Antworten wurden aus dem Englischem übersetzt.  Wer weitere Informationen zum Verein sucht, der findet sie hier verlinkt. Auch veranstalten die Iserlohn Titans am 15.02.2020 ein Tryout - hier sind weitere Informationen verlinkt. 

 

Nick für FandS.pics

Was nur wenige wissen: Den Bonn Gamecocks verdanken wir persönlich sehr viel. Am 02.05.2015 haben Nick und ich unser erstes Spiel gemeinsam fotografiert. Dabei war es zunächst nicht so geplant, denn eigentlich wollte ich den Klassiker in der GFL2: Bonn Gamecocks gegen die Bielefeld Bulldogs fotografieren. Damit Nick auch mit an die Sideline konnte, machten sie uns den Vorschlag:“ ...wir hängen Nick einfach eine Kamera um.“ Der Rest ist Geschichte. Das Spiel hat uns beide begeistert, denn es war eines der spannendsten Spiele überhaupt, an deren Ende ein 35:35 stand. Mittlerweile ist viel passiert: So ist das Herrenteam vor zwei Jahren aus der GFL2 abgestiegen und befindet sich seitdem im Umbruch. In der Vereinsführung sind Veränderungen vollzogen worden. Für uns eine gute Gelegenheit, sich ausgiebig mit den Gamecocks zu beschäftigen. Marcus Gastmann, den ersten Vorsitzenden der Bonner, konnten wir für ein Interview gewinnen. Marcus ist darüber hinaus auch Stadionsprecher und spielte American Football in der Zeit von 2003 bis 2004. Hiernach ging er vom Feld an die Sideline. Fortan war er als Coach tätig. Diese Aufgabe führte er bis 2011 aus und coachte er bis in der GFL2.

Marcus Gastmann - Bildmitte (Foto: Oliver Jungnitsch)Marcus Gastmann (Bildmitte) beim letzten Spiel der Herrenmannschaft in 2019.  (Foto: Oliver Jungnitsch)

Oliver von FandS: Marcus, vielen Dank für deine Zeit, dann lass uns mal beginnen. In der Recherche zu unserem Gespräch habe ich folgendes herausgefunden: Bonn ist die größte deutsche Stadt, aus der noch nie ein Verein in der Fußballbundesliga spielte. Wenn man als Ortsfremder an amerikanische Sportarten und Bonn denkt, dann fällt einem zunächst der Basketball ein. Wie bist Du zum American Football gekommen?
Marcus Gastmann: Jetzt muss ich direkt zu Beginn schonmal reingrätschen – Vorreiter für amerikanischen Sport sind in Bonn tatsächlich die Baseball-Spieler der Bonn Capitals, die eingerahmt von zwei Vizemeisterschaften 2018 Deutscher Meister geworden sind. Die sind also die verdienten Platzhirsche im Bonn. Ich selber habe früher viel NFL und NFLEurope geschaut bzw. hatte Dauerkarten für Rhein Fire, und dann probiert man es halt selber aus. Erst an der Uni Köln, und dann bei den Gamecocks, als sie gerade 2003 wieder in den Spielbetrieb eingestiegen sind. Ansonsten bin ich auch noch ein wenig bei den Fußballern vom Bonner SC tätig, auch wenn der Aufstieg in die Bundesliga sicherlich noch etwas dauern wird.

Oliver: Meines Wissens spielt der Bonner SC, wie ihr, in der Regionalliga. ... und ich habe wieder etwas gelernt, denn die Bonn Capitals kannte ich nicht. Zurück zum Football: Lange Zeit war von den Bonn Gamecocks wenig zu lesen, so war die Homepage längere Zeit nicht gepflegt. Mit dem letzten Heimspiel ist sie wieder in Betrieb genommen worden. Mir ist seitdem eure Aktion „#WirSindDieGamecocks“ positiv aufgefallen. Wie ist die Aktion entstanden und was ist euer Ziel beziehungsweise eure Absicht damit?

Marcus: Die Homepage hatte sich leider ein wenig zum negativen Running Gag entwickelt, und dann kam auch noch die DSGVO dazu – das war nicht einfach. Außendarstellung ist einfach für jeden Verein wichtig, und die haben wir jetzt wieder erreicht, wie ich finde. #WirSindDieGamecocks ist eigentlich ganz einfach. Wie es auch in einigen Bereichen des öffentlichen Lebens passiert, ist der Verein in den letzten Jahren trotz hohem Einsatz der Verantwortlichen etwas in eine „Nehmermentalität“ abgerutscht, und das gemeinsame Vereinsleben hat schon etwas gelitten. Das wollten wir wiederaufleben lassen, und was gibt es schöneres als ehrenamtliche Gamecocks vorzustellen, die mit viel Lust und Einsatz für den Verein in ihrer Freizeit tätig sind. Ich arbeite lieber mit positiven Beispielen und motivierten Menschen als mit leeren Versprechungen, und dazu passt die Kampagne.

Oliver: Da kann ich dir nur beipflichten! Ein Verein lebt von den ehrenamtlichen Helfern. Bei euch ist aber fast alles im Umbruch, so gibt es Veränderungen in der Organisation und Struktur, bei der Spielstätte und eine )sportliche Neuausrichtung. Lass uns alles einmal einzeln betrachten und mit der Struktur beginnen. Was hat sich geändert und warum war es notwendig?
Marcus: Wir haben in den letzten Jahren gemerkt, dass die Verantwortung auf zu wenigen Schultern gelegen hat. Das führt dann irgendwann zu einer Überlastung und Stillstand in einigen Bereichen, trotz hohem Einsatz der Beteiligten. Wir sind da auch auf keinen böse, aber es war einfach eine Abwärtsspirale, die sich kaum aufhalten ließ. Eine Firma mit 300 Angestellten wird auch nicht von zwei, drei Leuten betreut, und so geht es auch nicht in Sportvereinen – denn so groß sind wir. Dadurch reifte jetzt der Plan, deutlich mehr Menschen in die Verantwortung zu nehmen, die dann je nach Motivation und Kompetenz einzelne Aufgaben übernehmen. Für den durchaus komplexen Bereich „Datenschutz/DSGVO“ haben wir zum Beispiel gerade frisch zwei ehemalige Gamecocks-Spieler gewinnen können, die dienstlich mit dem Thema arbeiten und uns punktuell unterstützen können. Klar kenne ich das Thema auch und kann bzw. muss mich natürlich etwas einlesen, aber wenn ich es an Experten delegieren kann, macht es meinen Job natürlich einfacher. Und ich kann auch als Fan oder Elternteil dem Verein helfen, auch wenn ich vom Football wenig Ahnung habe – nicht jeder muss direkt Coach werden, um seinen lokalen Lieblingsverein zu unterstützen.
 
Oliver: Für mich ist Bonn leider etwas weit entfernt, aber welche „Jobs“ könnte ich bei euch antreten, wenn ich z.B. Football-Fan, ehemaliger Spieler oder Elternteil bin und helfen möchte, aber nicht unbedingt zum Coach tauge? 
Marcus: Wir suchen alles und jeden: vom Pädagogen oder Berufsberater für unsere Jugendspieler auf der Schwelle in die Arbeitswelt, Grafikdesigner die Spaß an Gestaltung haben, einen Integrationsbeauftragten für die Integrationsarbeit im Verein, einen Marketing-Manager, Sponsorbeauftragten, Chronisten, Teammanager, fleißige Helfer für die Coaches, Social Media-Betreuer, Fotografen, Homepage-Administrator … und noch viel viel mehr. Das sind dann alles in allem natürlich Themen, die im Vorstand angesiedelt sind, aber wo sich nicht immer die gleichen zwei, drei Leute den Kopf drüber zerbrechen müssen. So kann sich jeder einbringen, und wenn jemand mit spannenden neuen Themengebieten kommt und den Verein unterstützen will, dann hören wir gerne zu. ESports? Karnevalszug? Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit? Wer sich einbringt, ist willkommen. Geht auf unsere Homepage: www.gamecocks.de und sucht euch etwas aus.
 
Oliver: Das klingt durchaus ambitioniert, aber so etwas geht nicht von heute auf morgen.

Marcus: Nein, auf keinen Fall, trotz aller positiver Stimmung die gerade herrscht. Aber wenn es nach mir geht, gehen wir Anfang 2022 mit einer nachhaltigen Organisation in die Saison, und können uns dann auch wieder sportlich ambitionierte Ziele setzen. Und wenn wir bis dahin noch keinen Fanbeauftragen haben, der sich um ein Rahmenprogramm bei Heimspielen kümmert, dann gibt’s halt im Stadion nicht viel außer gutem Football; und wenn bis dahin kein Chronist am Start ist, bleibt der Wikipedia-Eintrag halt so wie er ist, bis ich ggf. Zeit zum Aktualisieren finde. Das Ganze läuft sehr transparent, so dass wir alle wissen, wo unser Verein steht - und jeder kann mitmachen.
 
Oliver: Du hast mir gerade ein gutes Stichwort gegeben: guter Football. Wie bewertest Du die abgelaufene Saison? 
Marcus: Soweit, so gut. Die Herren hatten im Laufe der Saison verletzungsbedingt etwas Schwierigkeiten, haben sich aber berappelt und mit viel Einsatz die letzten Partien bestritten. Die Mannschaft ist wahnsinnig jung, wird die nächsten 1-2 Jahre noch deutlich reifen, um dann irgendwann auch wieder höhere Ziele anzustreben. Das passt alles zum langfristigen Zeitplan des Vereines.
 
Oliver: Die U19 startete in der GFLJ, der höchsten Spielklasse der Jugend. Wie lief es hier?
Marcus: Die U19 hatte ein hartes Jahr, da das Niveau in der Junior GFL wahnsinnig hoch ist. Mit den Crocodiles, Düsseldorf wie auch Paderborn sind Teams mit tollen Jugendkonzepten am Start, mit denen wir aktuell nicht mithalten konnten, weder organisatorisch noch finanziell. Es war aber bewundernswert, mit welchem Einsatz und welcher Hingabe die Spieler wie auch die Coaches gearbeitet haben, und wir gehen mit erhobenem Haupt eine Liga tiefer und holen neuen Schwung.
 
Oliver: Die Bonn Gamecocks haben auch noch jüngere Spieler. Was gibt es hier zu berichten?
Marcus: Die U16 hatte eine gute und ausgeglichene Saison, und wir konnten viele talentierte Spieler zu Auswahlmannschaften bis hin zur Nationalmannschaft entsenden. Das zeigt, dass wir Talente gut ausbilden, auch wenn wir nicht immer in der obersten Liga mitspielen. Diesen positiven Trend nehmen wir gerade in der U16 gerne mit. Und die U13 hatte ein sehr erfolgreiches Jahr, und musste sich erst am letzten Spieltag von Platz 1 verdrängen lassen. Die U13 bauen wir nächstes Jahr aber quasi neu auf, da die Mannschaft im letzten Jahr fast komplett aus dem ältesten Jahrgang bestand. Daher gibt es 2020 eine tolle Kooperation mit den befreundeten Rheidter Black Ravens, mit denen wir eine Spielgemeinschaft bilden. Und besondere stolz und froh bin ich dieses Jahr auch über unsere Anzahl an Coaches. Ich kann es nicht ganz zu 100% beweisen, bin mir aber ziemlich sicher, dass wir mit einer Anzahl von zwei Dutzend Coaches in der Jugend und im Seniorenbereich einen Rekord für die Gamecocks aufstellen können.
 
Oliver: In dieser Saison gibt es noch ein weiteres Team und damit habt ihr zumindest mich überrascht. 
Marcus: Ohja, die Bonn Gamecocks Ladies haben für eine große Überraschung gesorgt, und wir freuen uns, eine fast fertige Mannschaft im Verein begrüßen zu können. Es wird 2020 für den Spielbetrieb noch nicht reichen, wir sind aber mit den Gamecocks gut mit anderen Damenteams vernetzt und hoffen neben guten Training einige Events anbieten können. Herren-Teams gibt es in der Region inzwischen auch sehr viele, Damenteams aber südlich von Köln erstmal kaum. Das wollen wir natürlich nutzen und schauen mal, wie weit wir in den nächsten 1-2 Jahren kommen. Wichtig wäre hier der Zugang von Coaches, die ausschließlich für die Ladies zuständig sind – bitte gerne melden.
 
Oliver: In der Vergangenheit gab es auch eine Abteilung für das Cheerleading. Wird das die nächste Überraschung sein?
Marcus: Die Cheerleader sind noch ein anderes Thema, und wir verfolgen den Erfolg unserer alten Truppe, die inzwischen bei Deutschen Meisterschaften starten, immer noch. Hier gilt der oben schon gesagte Grundsatz: Wir suchen natürlich Leute, die sich dem Thema annehmen wollen, aber gerade das ist ein Thema, was man unbedingt mit guter Organisation und viel Einsatz angehen muss. Und solange das nicht der Fall ist, haben wir halt keine eigene Truppe – allerdings kann es dieses Jahr zu Gastauftritten in der Saison kommen, von daher ist das Thema nicht weit weg. Solange unser Stadion noch im Umbau ist, müssen wir auch unsere Events wahrscheinlich etwas runterschrauben müssen.
 
Oliver: Das Stadion Pennenfeld wird aktuell umgebaut. Gibt es da schon neue Informationen? 
Marcus: Unser Pennenfeld wird seit Sommer 2019 umgebaut und verkleinert. Die Tribüne bleibt, es wird grüner als vorher, und mit einer modernen Laufbahn und neuem Rasen wird es sicherlich schön werden – ein Flutlicht kann auch einiges an Qualität bringen. Solange spielen wir bis zu den Sommerferien in der alten Heimat, im Wasserlandstadion, und sind bei unseren neuen Freunden von Fortuna Bonn zu Gast. Idealerweise starten wir dann in die Rückrunde nach den Ferien wieder in der Heimat, wenn baulich nichts dazwischen kommt.
 
Oliver: Nordrhein-Westfalen ist ein Ballungsraum für Footballvereine, besonders auch in Bonn und Umgebung. Was macht die Bonn Gamecocks besonders und warum sollte ich mich für euch entscheiden?
Marcus: Eine schwierige Frage, denn unsere Vereinsvision werden wir in den nächsten 1-2 Jahren auch neu schärfen müssen. Ein familiäres Umfeld war uns als Verein immer wichtig, und das wird auch so bleiben. Wenn Herrenspieler sich wohlfühlen, Coaches gerne an der Seitenlinie stehen, Jugendspieler stolz auf den Verein sind, Eltern sich beteiligen können und ehemalige Spieler aus 32 Jahren Gamecocks-Erfahrung sich einbringen wollen, um unseren (!) Verein weiter zu bringen, dann haben wir einiges erreicht und können stolz auf unser Ergebnis sein. Das ist so meine persönliche Vision, dass unsere Mitglieder sagen: „Ja, das ist MEIN Verein. Ich bin ein Gamecock, wir sind die Gamecocks“.

Oliver: Wir sind auch irgendwie Gamecocks, zumindest im Herzen. Vielen Dank für die ausführlichen und ehrlichen Antworten. Wir werden uns sicherlich in diesem Jahr auf und um das  Gridiron sehen.  

Das Interview mit Marcus Gastmann, dem 1. Vorsitzenden der Bonn Gamecocks führte Oliver Jungnitsch von Fands.pics. Wer weitere Informationen über den Verein sucht findet sie auf der Homepage: www.gamecocks.de oder auf Facebook: https://www.facebook.com/BonnGamecocks/.

Zugeben: Flag Football gehört nicht zu meinen Kernkompetenzen, aber dafür habe ich mir einen Experten für diesen Bereich eingeladen, der meine Lücken ausbessern wird. Es ist der Head Coach der Juniors Flag von den Neuss Gladiators: Mirza Kehonjic-Thiede. Mirza coacht das Juniorteam bereits seit drei Jahren. Begonnen hat er mit fünf Kindern, heute sind es bereits 20 Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren. Bei meiner Recherche habe ich keine Ligen für die Kleinen gefunden, sondern nur Schulteams, die in Turnierform gegeneinander antreten. 

Head Coach der Juniors Flag von den Neuss Gladiators: Mirza Kehonjic-Thiede (Foto: Neuss Gladiators)Head Coach der Juniors Flag von den Neuss Gladiators: Mirza Kehonjic-Thiede (Foto: Neuss Gladiators)

Oliver von FandS: Mirza, irgendwie drängt sich mir der Verdacht auf, Junior Flag ist das ungeliebte Kind des American Footballs. Vielleicht beginnen wir mal mit den Basics. Kannst Du uns mal kurz erklären, was der Unterschied zwischen Tackle und Flag Football ist? 
Mirza Kehonjic-Thiede: Flag Football leitet sich vom American Football ab und ist eine Variante des Gridiron Footballs. Der wesentliche Unterschied zum American Football ist, dass die Defense den ballführenden Spieler der Offense stoppt, indem sie ihm ein Flag aus dem Gürtel zieht, statt ihn körperlich zu tackeln - wie im American Football. Das Feld ist in zwei Hälften aufgeteilt und man muss 20 Yards für einen 1st Down zurücklegen. Die letzten 5 Yards vor der Endzone sind die No-Running-Zone, das heißt, dass man innerhalb dieser Zone zu einem Passspiel gezwungen ist.
 
Oliver: Was sind insbesondere für die Kleinen die Vorteile vom Flag Football? 
Mirza: Die Vorteile sind vielfältig. Zum Einem besteht der Vorteil eines breiten Angebots. Man erreicht auch Kinder, die nicht tacklen wollen oder gesundheitlich nicht tackeln können oder die einfach die Erlaubnis der Eltern dazu nicht erhalten. Die Verletzungsgefahr im Flag ist erheblich geringer als im Tackle Football. Es stellt somit einen guten Kompromiss dar. Zum Anderem ist da natürlich der finanzielle Aspekt. Man braucht als Ausrüstung lediglich einen Ball, Laufschuhe und Flaggen. Das Angebot ist also niederschwelliger und kostengünstiger. Das kann für Vereine interessant sein, weil sie dadurch breitere Schichten der Jugend deutlich früher an sich binden können. Mirza Kehonjic-Thiede beim Training mit seinem Team (Foto: Neuss Gladiators) Mirza Kehonjic-Thiede beim Training mit seinem Team (Foto: Neuss Gladiators)
 
Oliver: Bei euch in Neuss fangt ihr mit 6 Jahren an, in anderen Sportarten gibt es ein Angebot für noch jüngere. Warum beginnt ihr nicht früher mit dem Training oder macht ihr Ausnahmen? 
Mirza: Das Alter 6 Jahre ist ein Erfahrungswert, welchen wir im Coaching-Staff gemacht haben. Wir haben in den ersten beiden Jahren Kooperationen mit Kitas gehabt und haben dort als Kita-AG agiert. Es stellte sich heraus, dass die Drills, wie wir sie im Flag Football ausführen, doch nur von Kita-„Seniors“ über die gesamte Trainingslänge aufmerksam ausgeführt wurden. Wir halten die Altersgrenze aber nicht starr ein. Wenn wir sehen, dass die Kinder im Alter von 4 oder 5 Jahren auch mithalten können und Spaß haben, dann nehmen wir sie herzlich gerne auf. Zwei unserer Mitglieder sind jünger als sechs Jahre.
 
Oliver: Wie muss ich mir ein Training vorstellen und wer unterschützt dich in deiner Arbeit?
Mirza: Ich habe ein Staff von drei weiteren Coaches und einer Teammanagerin. Wir sind bunt gemischt, was den Vorteil hat, alles aus mehreren Perspektiven durchleuchten zu können. Mein OC ist ehemaliger Jugend-Deutscher-Meister mit den Panthern. Er gewann in den Staaten mit seinem Team den State-Championsship. Die Assistenten sind ein ehemaliger U16-Gladiator und ein Vater, der das Coaching erlernen möchte. Das Training ist ähnlich aufgebaut wie im Tackle-Football. Warm-Up, Indies, Spiel. Wir legen größere Gewichtung auf das Spiel, damit die Kinder nicht die Aufmerksamkeit und den Spaß verlieren. Die hohe Trainingsbeteiligung und zum Teil lange Anreisen scheinen uns Recht zu geben. Die Eltern und Kinder reisen zum Teil bis zu 45 Minuten zum Training an.
 
Oliver: Hut ab! Im Vorgespräch sagtest du mir, dass Ihr die Grundschule des American Footballs seid. Ich denke, das beschreibt es sehr passend. Aber was passiert, wenn die Kinder 12 Jahre werden? 
Mirza: Die Kinder werden im Football so gut wie möglich ausgebildet, so dass sie danach entweder im Tackle oder im Flag spielen können. Das ist eine Wahl, die die Kinder mit ihren Eltern treffen müssen. Wir können sie nur beraten und auf ihrem weiteren Weg begleiten. Wir sind als U7 gestartet und haben schnell erkannt, dass es mit dem 7. Geburtstag nicht enden soll. Die Gladiators befinden sich auch hier im Aufbau. In der Planung ist es Flag Football für jede Altersgruppe anzubieten.
 
Oliver: Mirza, gibt es Ligen für die Junior Flags oder nur Freundschaftsspiele?
Mirza: Das erste Freundschaftsspiel ist tatsächlich über eure Facebook Gruppe „NRW-Football“ zustande gekommen. Ich habe eine Anfrage geschrieben und wir trafen uns dann mit den Mönchengladbach Wolfpacks. Weitere Spiele sind in Planung. Eine Liga gibt es leider nicht, wäre aber sehr wünschenswert.
 
Oliver: Das denke ich auch. Wie wird der Sport vom Verein und Verband unterstützt oder gefördert? 
Mirza: Über den Verein bekommen wir die Sportplätze und Ausrüstung, die wir für ein vernünftiges Training bzw. eine sportliche Entwicklung der Kids benötigen.
 
Oliver: Was wünscht Du dir für die Zukunft des Junior Flags?
Mirza: Ich denke aufgrund der Nachwuchsschwierigkeiten, die alle Vereine sportübergreifend haben, wäre es ratsam über ein Flag-Team ein frühes und kostengünstiges Angebot anzubieten. Kita AG, Grundschulen AG, eigene Liga. Das alles! Am besten über den Verband gesteuert, damit alle Vereine auf eine zentrale Stelle mit dem gesamten Know-How zurückgreifen können.

Oliver: Hoffentlich liest dieses Interview jemand vom Verband und nimmt sich dieser Sache an. Für mich ergibt es Sinn, mit Junior Flag zu starten, gerade wenn ich an die Eltern denke und die große Konkurrenz seitens des Fußballs. Hier gibt es die Bambini Ligen, die Kinder weit unter 7 Jahren aufnehmen und häufig somit frühzeitig an sich binden. Mirza, vielen Dank für deine Ausführungen und Erläuterungen, jetzt habe ich eine andere Sicht auf den Flag Football erhalten. Alles Gute für euch!

Mirza: Vielen Dank für alles und bis bald!

Das Interview führte Oliver Jungnitsch für Fands mit dem Head Coach der Juniors Flag von den Neuss Gladiators: Mirza Kehonjic-Thiede. Wer weitere Informationen zum Verein sucht, der findet sie hier verlinkt. Solltet ihr euch für das Team und den Junior Flag interessieren, dann nehmt einfachDiese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Er freut sich!

 

Oliver Jungnitsch für Fands.pics

Am Samstag veranstalteten die Gelsenkirchen Devils ein Tryout, welches hauptsächlich auf Neulinge dieser Sportart ausgerichtet war. Besonders die Einheit der Herren wurde gut angenommen - und zwar so gut, dass alle Rookies in das Training der Devils einsteigen wollen. 

Johannes Werner Quarterback (#18) der Gelsenkirchen Devils beim Tryout (Foto: Oliver Jungnitsch)Johannes Werner Quarterback (#18) der Gelsenkirchen Devils beim Tryout (Foto: Oliver Jungnitsch)

Das Schnuppertraining der Gelsenkirchen Devils wurde in zwei Einheiten unterteilt, welches die Damen um 15:00 Uhr begannen. Das Team der Ladies wird von Head Coach Patrick Skiba trainiert, der auch durch das Tryout der Damen führte.

Anders als sonst wurde das Tryout der Herren hauptsächlich von den Spielern geleitet. Hierdurch stand das Kennenlernen Neulingen und dem Team im Vordergrund. Hier ging es um 17:30 Uhr los. Das Warm Up und Cool Down leitete Devils Quarterback Johannes Werner. Nach dem ausgiebigen Aufwärmen ging es für die Teilnehmer an eine der fünf Stationen, die nach rd. 15 Minuten gewechselt wurden. Für zehn Personen war dies besonders ungewohnt, denn sie hatten bisher keinen oder kaum Kontakt zum American Football. Für die Spieler war es eine Abwechslung ihres üblichen Trainings. Bei den Stationen wurden die verschiedenen Positionstrainings wie Quarterback, O-line/D-Line, Wide Reiceiver, Runningback, Linebacker/Defensive Back abgebildet. 

Nach dem Cool Down ermutigte Präsident Sven Kicza die Rookies zum Weitermachen, sodaß alle Neuen am Montag beim Herrentraining vorbeischauen wollen. 

Bildergalierie zum Tryout:

Oliver Jungnitsch für FandS

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